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Viele interessante und argumentativ starke Diskussionsbeiträge finden Sie auch im Leserbrief-Archiv.


Gründe der Landesregierung 2010 und unsere Antwort

Leserbrief des rheinland-pfälzischen Wirtschafts- Verkehrs- und Weinbauministers Hendrik Hering in der
Zeitschrift VINUM, März 2010 (Auszüge)

Aussage des Ministers

unser Kommentar

Die mit dem Hochmoselübergang einhergehende Verbesserung der Verkehrs-Infrastruktur in der Region wird erheblich zur wirtschaftlichen Entwicklung gerade der Eifel und des Hunsrücks beitragen. Die Strecke macht einen lokalen Umweg von 6 Kilometern und ist deshalb für viele Betriebe uninteressant.
Für die propagierte Verbindung von Eifel und Hunsrück ist eine derart überdimensionierte Hochbrücke maßlos übertrieben.
Diese Aspekte unter anderem gegen örtlich begrenzte Beeintächtigungen des Weinbaus und des Landschaftsbildes angemessen abzuwägen, ist Aufgabe einer verantwortlichen Politik. Wir haben Gründe zu der Annahme, dass Herr Minister Hering die besagten Beeinträchtigungen gar nicht so genau kennt (s.u.).
Diese Infrastrukturmaßnahme wird sowohl einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der regionalen Erschließungsqualität als auch zur Optimierung der innereuropäischen Fernverkehrsverbindung leisten. Innereuropäisch ist der Hochmoselübergang sogar ein Umweg. Alle von der Landesregierung zur Begründung aufgeführten Linien wären über diese Straße langsamer und zumeist weiter. Dazu zählt die Verbindung der belgischen und niederländischen Nordseehäfen sowie der belgischen Ballungsgebiete mit dem Rhein-Main-Gebiet; ebenso alle anderen vom Land genannten Verbindungen. Details finden sich auf unserer Homepage b50neu.de.
Voraussetzung für eine Berücksichtigung in den oben genannten Bauprogrammen (Anm.: Bundesverkehrswegeplan, Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen) ist dabei regelmäßig ein nachgewiesenes positives volkswirtschaftliches Kosten-Nutzen-Verhältnis. Das vermeintlich positive Kosten-Nutzen-Verhältnis basierte vor allem auf der (längst nicht mehr vorhandenen) Bedeutung der Straße für den Fernverkehr.
Lassen Sie mich abschließend darauf hinweisen, dass auch die örtlichen Auswirkungen auf den Weinbau gutachterlich untersucht wurden und sich allenfalls lokal begrenzte Auswirkungen im unmittelbaren Trassenbereich gezeigt haben. "Lokal begrenzt" meint: Zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, im Bereich der weltbesten Riesling-Weinlagen. Auf einer Strecke von 9 Kilometern wird die Straße dicht an der "Wehlener Sonnenuhr", dem "Zeltinger Himmelreich", dem "Bernkasteler Doctor" und 10 weiteren Lagen bis zu 20 Meter tief in den Boden gegraben.
Ein Gutachten zu den Einflüssen der Baumaßnahme auf die lateralen Wasserzuflüsse in den Schieferböden der Weinlagen wird weder im Planfeststellungsbeschluss erwähnt noch wurde es bisher - trotz offizieller Anfrage - vorgelegt.
Befürchtungen eines Qualitätsverlustes bei den Moselweinen wie auch eine "Zerstörung der Weinkulturlandschaft" sind bei der örtlichen Begrenztheit des Projekts nicht begründet. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Herr Hering nicht diejenige Instanz ist, die entscheidet, was begründet ist und was nicht.
Der Einfluss auf die Qualität der Riesling-Spitzenlagen ist im entscheidenden Punkt, der lateralen Wasserversorgung im Schieferboden der Weinlagen, gar nicht untersucht worden.
Auch der Bau der vergleichbaren Brücke bei Winningen hat den Weinbau an der Mosel nicht geschädigt, sondern durch bessere Erreichbarkeiten sogar eher noch gefördert. Die Verhältnisse bei der Winninger Brücke (Fertigstellung 1972) sind völlig andere.
Sie befindet sich im Großstadtbereich (5 km von Koblenz entfernt) und hat eine entsprechend geringere touristische Bedeutung; das Gästeaufkommen beträgt etwa ein Fünftel desjenigen von Zeltingen (bei etwa gleicher Einwohnerzahl).
Die Winninger Brücke überquert ein relativ schmales Tal und ist daher deutlich kleiner (935 Meter lang und 136 Meter hoch).
Die über den Hochmoselübergang laufende B50 neu dagegen würde die Mosel nicht nur überqueren, sondern einen kompletten Bergrücken auf einer Strecke von 9 Kilometern auf dramatische Weise verändern, indem er in einer tiefen Schneise geführt werden soll. Die Länge der Brücke soll mit 1,7 Kilometern Länge und 160 Metern Höhe deutlich größer werden als die Winninger Brücke.
Einzig die Bauweise ist gleich: Ein schmuckloser Betonbau im Stil der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts - mit erschlagenden Dimensionen.
Leider lässt die Argumentation des Herrn Ministers wenig Interesse an den betroffenen Spitzenweinlagen und der Mosel-Kulturlandschaft erkennen.

Statt ein 40 Jahre altes und aus vielen Gründen veraltetes Bauprojekt zu rechtfertigen, wäre es ein Gebot der Vernunft, sich einer zeitgemäßen und der Region angemessenen Verkehrsplanung zuzuwenden.

 


procontra.html - zuletzt geändert am 07.06.2010 - verantwortlich für den Inhalt: Georg Laska 1999-2010
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