Top Rieslingproduzenten sehen ihre Weinberge in GefahrÜrzig, 25. Mai 2009Eine vierspurige Schnellstraße, die das weltbekannte Moseltal in großer Höhe überqueren soll, steht kurz vor dem Bau und bedroht dort gelegene erstklassige Weinlagen. Zwischen den Moselstädten Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach befindet sich ein außergewöhnlich langer, durchgehender Bereich von »Grosse Lage« bzw. »Erste Lage« Rieslingweinbergen. Winzer der Region sind entsetzt, dass Politiker nun mit einem 40 Jahre alten Plan aufwarten, eine 1,7 km lange und 160 Meter hohe Brücke für eine Straße zu bauen, die die Weinlagen einiger der weltweit angesehensten Weingüter bedroht! Die geplante Schnellstraße, genannt B 50 neu, soll im Bereich des berühmten Weinbergs »Ürziger Würzgarten« aus einem Tunnel kommend über eine gigantische Betonbrücke die Mosel überqueren und dort direkt oberhalb der Weinlagen von Zeltingen-Rachtig, Wehlen, Graach und Bernkastel verlaufen, mit einer zusätzlichen Auffahrt dicht am Moselort Erden vorbei. Die betroffenen Topwinzer befürchten eine Qualitätsminderung ihrer Weine während der Bauphase und es gibt bereits Überlegungen für Schadensersatzforderungen wegen einiger der zu erwartenden Probleme. Dass die Qualität der Trauben durch Staub und andere Ablagerungen aufgrund umfangreicher Baumaßnahmen beeinträchtigt wird, ist eine hinlänglich bekannte Tatsache; auch die fertige Brücke wird sich durch Schattenwurf negativ auf die angrenzenden Weinberge auswirken. Für noch dramatischer halten die Weltklasse-Winzer die Langzeitauswirkungen der Straße auf den Wasserhaushalt ihrer Weinberge. Bestehender Wald über den Weinlagen wird gerodet und der neu entstehende Damm wird eine größere Schneise auf dem Berg versiegeln. Der Wald bildet das Wasserreservoir, das der Wein während einer Hitzeperiode braucht; Wassermangel könnte dann verheerende Folgen haben. Umgekehrt steigt mit der Versiegelung auch die Gefahr von Überflutungen und Erosionen bei größeren Niederschlägen. Die internationale Weinwelt ist aufgeschreckt und alarmiert durch die Vorgänge an der Mosel und man spricht bereits über eine Form von Vandalismus gegenüber einigen der weltbesten Riesling-Weinlagen. Eine über 2000 Jahre alte Weinbautradition hat die Moselregion zu dem gemacht, was sie heute ist: eine der am meisten geliebten und geschätzten Weinbauregionen weltweit. Die Qualität der Weine hier ist ebenso sprichwörtlich wie die unverwechselbare Landschaft, die nicht selten als eine der schönsten der Welt bezeichnet wird. Viele sind irritiert darüber, dass die Moselregion nie als UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen wurde, obwohl sie diesen Status zweifelsohne verdiente. Der Weinanbau in dieser traditionsreichen Region befindet sich, wie kaum ein anderer Wirtschaftsbereich dieser Größenordnung, weitgehend im Einklang mit der Natur, was man auch daran erkennt, dass die Weinberge und die angrenzenden Wälder sehr viele seltene Tier- und Pflanzenarten beheimaten. Das Projekt B 50 neu, in den 60er Jahren zunächst als Autobahn geplant und dann zu einer Bundesstraße zurückgestuft, wurde immer wieder verzögert durch Einsprüche von Gegnern und gerichtliche Verfahren, aber auch durch Finanzierungsprobleme; die Suche nach einem privaten Investor für dieses Projekt blieb ergebnislos. Für die Winzer war dies eine Zeit großer Belastung und lähmender Verunsicherung. Die Situation hat sich nun zugespitzt, seit man beschlossen hat, ausschließlich auf Kosten des Steuerzahlers zu bauen. Die Hoffnung, dass das Bauwerk aufgrund der immensen Kosten nicht realisiert werde, hat sich damit zerschlagen. Einige der bedeutendsten Rieslingproduzenten haben nun einen letzten Hilferuf gestartet, um die Politiker auf eine, wie sie es nennen, große Dummheit aufmerksam zu machen: die Zerstörung eines weltweit bedeutenden Kulturschatzes. In den folgenden Äußerungen verurteilen Ernst Loosen, Markus Molitor, Katharina und Manfred Prüm, Johannes Schmitz, Willi Schaefer und Rudolf Trossen das Projekt B 50 neu und diejenigen, die es mit aller Gewalt durchsetzen wollen, auf das Entschiedenste. Lesen Sie hier, warum angesehene Winzer einen endgültigen Baustopp für die Hochmoselbrücke und die B 50 neu direkt oberhalb der Weinberge fordern.
Das zentrale Problem für die Weinberge ist die Tatsache, dass die Straße entlang eines Berggrats oberhalb der besten Weinlagen der Mittelmosel verläuft. Man wird dort Wälder abholzen, und durch die Verdichtung und Versiegelung des Erdreiches wird das Oberflächenwasser möglichst schnell abgeführt und kann somit nicht mehr versickern. Für den Wasserhaushalt der darunter liegenden Weinlagen wird dies sehr ungünstig sein. Wir hatten in diesem Jahrzehnt bereits einige extrem trockene Jahre und jeder weitere Einschnitt in den Wasserhaushalt der Weinberge wird gravierende Folgen haben. Es ist ebenfalls bekannt, dass Staub und Schmutzbelastung, wie sie von großen Baustellen ausgehen, erheblichen Einfluss auf den Weinanbau haben. 7 Jahre hat man für die Bauzeit eingeplant, aber wir wissen alle, dass ein derartiger Zeitrahmen selten eingehalten wird. Das Ganze Projekt lässt jeden Weitblick vermissen. Manchmal glaube ich, und das ist meine größte Befürchtung, dass es außer einer Gruppe von Bürokraten, die diesem Plan seit über 40 Jahren blind folgen, überhaupt keinen Grund für diese Brücke und die B 50 neu gibt." Ernst Loosen, Weingut Dr. Loosen, Bernkastel, www.drloosen.de
Markus Molitor, Weingut Markus Molitor, Wehlen, www.markusmolitor.com
Katharina & Manfred Prüm, Weingut Joh. Jos. Prüm, Wehlen, www.jjpruem.com
Johannes Schmitz, Weingut Rebenhof, www.rebenhof.de
Der Moselsporn, der sich durch den Flusslauf herausgebildet hat, welcher auf dem Weg von Traben-Trarbach nach Bernkastel-Kues beinahe wieder an die gleiche Stelle zurückkommt, ist ein Naturwunder und eine der schönsten Gegenden an der Mosel für Wanderer. Die vierspurige B 50 neu und ihr Damm werden diese Gegend zerstören - zusammen mit dem Kulturdenkmal »Graacher Schanzen«, einem Relikt aus Zeiten Napoleons." Willi Schaefer, Weingut Willi Schaefer, Graach
Schon von Kelten und Römern und bis in die Neuzeit hinein, wurden auf dem Moselplateau kostbare Erze abgebaut. Das erneute Aufwühlen der alten Abraumhalden durch die umfangreichen Bauarbeiten für die 40 Meter breite Straße droht Kupfer, Blei, Zink und andere Schwermetallstäube freizusetzen, welche Natur und Mensch und - insbesondere als Staubablagerungen auf den Rebblättern - die weltberühmten Weinlagen der Mittelmosel gefährden würden." Rudolf Trossen, Weingut Rita und Rudolf Trossen, Kinheim-Kindel
Es ist eine Webseite eingerichtet worden mit weiteren Informationen und Abbildungen der Brücke sowie Hinweisen, wie man sich in der Sache engagieren kann:
Unterstützer werden gebeten, sich für einen sofortigen Baustop der
oder an einen Abgeordneten im Europa-Parlament
Fotos in Druckqualität können auf Anfrage zugesandt werden:
Webseite der Aktionsgemeinschaft:
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